Beflügelt

 

 

An der Schwelle zur Moderne

1915, drei Jahre vor seinem Tod, begann Debussy einen Zyklus von Sechs Sonaten für verschiedene Instrumente, konnte aber nur noch drei vollenden: die Cellosonate, die Violinsonate und die Sonate für Flöte, Viola und Harfe.

Während Debussy in Paris am berühmten Konservatorium studierte, dessen beachtliches Stipendium, den Rompreis, er gewinnen konnte, waren Eric Satie und Albert Roussel Absolventen der 1895 gegründeten Schola cantorum, die ihren Schwerpunkt nach dem Vorbild der deutschen Romantik auf sinfonische und kammermusikalische Ausbildung legte. Dieses Vorbild erhielt mit Beginn des Ersten Weltkriegs einen erheblichen Knacks. Das ging so weit, dass in den letzten Kriegsjahren in Frankreich keine deutsch-/österreichische Musik mehr gespielt werden durfte. In diesem Sinne nannte sich Debussy auf dem Titelblatt der drei Sonaten, die der Verleger Durand publizierte, bewusst patriotisch: Claude Debussy. Musicien français.

Ein durch und durch französischer Künstler war auch Eric Satie, ein Vertreter des französischen Impressionismus mit Neigung zum Dadaismus. Als Letzterer machte er immer wieder durch originelle Titel seiner Kompositionen von sich reden. Choses vue à droite et à gauche (sans lunettes) [Dinge von rechts nach links gesehen (ohne Brille)] ist eine Suite aus drei kurzen Stücken, die musikalische Formen aus der Barockzeit satirisch behandeln. Das 5-Minuten-Werk stellt einen der raren Ausflüge Saties in die Kammermusik dar. Dazu gehört auch Embarquement pour Cythère. Der Titel bezieht sich auf drei Gemälde von Antoine Watteau unter dem Titel: Le Pélerinage à l‘île de Cythère, von denen je eins sich heute im Städel zu Frankfurt am Main, im Louvre zu Paris und im Schloss Charlottenburg zu Berlin befindet.

Der französische Kammermusikspezialist Harry Halbreich hat die Serenade von Albert Roussel »eines der überlegenen Meisterwerke Roussels« genannt: »Die Schreibweise ist von außergewöhnlicher Durchsichtigkeit und vermeidet die Baßregister, was den Musikkritiker Roland-Manuel zu dem reizvollen Sprüchlein verleitete, diese Musik bediene sich mehr ihrer Flügel als ihrer Füße.«

Peter Tonger