Mozarts geistige Erben

 

 

Mozarts Quintett ist das Stammwerk aller späteren Quintette in der Besetzung Klavier, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott. Selbst Beethoven bezieht sich eindeutig auf Mozarts Quintett. Von der westeuropäischen Klassik geprägt ist auch Glinkas Trio pathétique, während Carl Reineckes Altersstil noch Ausdruck des romantischen Geistes ist und keine Notiz mehr von den neuesten Stilrichtungen nimmt.

Die Beobachtung der Ähnlichkeiten zwischen Beethovens Quintett op. 16 und dem Mozarts in gleicher Besetzung verleiteten den Komponisten Carl Reinecke in seiner populären Musikgeschichte Meister der Tonkunst (Berlin 1903) zu der Schlussfolgerung: »... wenn der jüngere Meister im Quintett, op. 16 den mozartschen Spuren mit Bewußtsein folgt, so sucht er dies in keiner Weise zu verbergen, sondern er wählt ... lauter Motive, welche überall auf populär gewordene Melodien von Mozart hinweisen, gleichsam als wolle er der Welt zeigen, daß er die geistige Erbschaft Mozarts angetreten habe.«

Reineckes a-Moll-Trio op. 188 steht spürbar in der Nachfolge Mendelssohns und Schumanns. Die beiden Blasinstrumente sind gleichberechtigt behandelt, technisch anspruchsvoll, aber nicht hochvirtuos. Reinecke produzierte seine Trios, um als Pianist mit Leipziger Kollegen musizieren zu können, deren Instrumente im kammermusikalischen Repertoire nur begrenzte Auftrittsmöglichkeiten hatten.

Michail Glinka galt schon zu seiner Zeit als der Vater der russischen Musik. So wurde er verehrt, und das gilt noch bis heute. Aus landadligem Hause stammend hatte sich Glinka das Komponieren zunächst selbst beigebracht. Später reiste er aber der Studien wegen für 3 Jahre nach Italien, wo er mit Donizetti, Bellini, Berlioz und Mendelssohn zusammentraf, um schließlich über Berlin in die Heimat zurückzukehren.
Das Trio pathétique d-Moll hatte er aus Italien im Gepäck. Es ist noch ganz von den italienischen Eindrücken geprägt und enthält noch keine Hinweise auf den russischen Charakter seiner späteren Werke.

Welch hohe Meinung Mozart selbst von seinem neuen Quintett hatte, das am 1. April 1784 im Rahmen einer Akademie im Wiener Burgtheater uraufgeführt wurde, offenbart ein wenige Tage später verfasster Brief an seinen Vater Leopold: »Ich habe 2 grosse Concerten geschrieben, und dann ein Quintett, welches ausserordentlichen beyfall erhalten; - ich selbst halte es für das beste was ich noch in meinem leben geschrieben habe. [...] Ich wollte wünschen sie hätten es hören können! - und wie schön es aufgeführt wurde!«

Peter Tonger