Konzert 4 - Sancta Clara-Keller

 

 

Im Gegensatz zu seiner sogenannten Großen Fuge op. 133, die ursprünglich als Schlusssatz seines Streichquartetts op. 130 gedacht war und auf Wunsch seines Verlegers Matthias Artaria durch einen konventionellen Satz ersetzt wurde, hat Beethoven, der sich in seinem Spätwerk vermehrt mit Fugenkomposition beschäftigte auch eine kleine Fuge für Streichquintett op. 137 geschrieben, die nur etwas mehr als 2 Minuten dauert, und sie seinem Verleger Tobias Haslinger gewidmet.

Mozarts 2. Streichquintett verdankt sein Dasein einem früheren Werk des Meisters, der Bläserserenade Nr. 12, ebenfalls in c-Moll. Um dieses großartige und hoch anspruchsvolle Werk auf dem Kammermusikmarkt unterbringen zu können, hat Mozart es für Streicher umgeschrieben.

Beethoven war von dem Quintett so beeindruckt, dass er sein eigenes, noch in Bonn entstandenes Bläseroktett ebenfalls in ein Streichquintett op. 4 umarbeitete.

Wie die beiden Quintette von Beethoven und Mozart ist auch das Quintett Nr. 1 von Brahms ein »Violaquintett«, da es für Streichquartett mit einer zweiten Bratsche besetzt ist, im Gegensatz zu Schuberts berühmten Streichquintett C-Dur, das wir im nächsten Konzert hören werden und das mit einem zweiten Cello besetzt ist. Brahms beschrieb das Quintett seiner Freundin Clara Schumann als »eines meiner schönsten Werke« und zu seinem Verleger Simrock: sagte er: »Sie hatten noch nie ein so schönes Werk von mir.«

Peter Tonger

Lesung zum Konzert

Blumenspiel

 

Autorenlesung mit Hajo Steinert

4. Konzert
08.12.2019 18:00 Uhr
Sancta Clara-Keller Köln

Signierstunde nach dem Konzert

 

„In meinem neuen Roman Blumenspiel wird zwar keine Kammermusik gespielt, aber ein Sänger an der Kölner Oper spielt darin eine gewisse Rolle ... Der Roman spielt 1908/1909 vor allem in Köln. Es war viel los damals. Eine Stadt im Aufbruch, aber schon damals sehr laut, weshalb meine beiden Hauptfiguren ja auch das Weite suchen. Die Handlung ist erfunden, Schauplätze und historische Umstände sind real.“

Hajo Steinert

 

Von Cöln am Rhein zum Monte Verità – ein langer Weg zum kurzen Glück

Mit einem Strohhut auf dem Kopf und seinem Hammer im Rucksack verlässt der junge Kunstschmied Heinrich 1908 das heimatliche Bergische Land. In Cöln am Rhein, so hat er gehört, werden tüchtige Männer gesucht. Außerdem gebe es dort unzählige Jungfrauen, eine würde für ihn schon dabei sein. Doch die Stadt, in der es kreischt und kracht, hupt und dröhnt, schüchtert ihn ein. Trotz der Warnung seiner Vermieterin Else lässt er sich durch Straßen und Gassen treiben,von einer Schänke zur anderen und lungert im Römerpark herum. Alles ändert sich, als er die wunderschöne, flatterhafte und doch selbstbewusste Näherin Hedwig kennenlernt. Heinrich träumt von einer gemeinsamen Zukunft. Doch Hedwig, die in der Kostümbildnerei der Cölner Oper eine Anstellung findet, hat andere Pläne. Sie hat von einem Berg gehört, auf dem es sich so frei leben ließe wie sonst nirgendwo. Sie stiehlt sich von ihren Eltern und ihrem Verlobten, einem wüsten Opernsänger, davon und nimmt den stillen Heinrich mit nach Ascona, hoch auf den Monte Verità. Was dort passiert, verändert alles.

Hajo Steinert, geboren 1952, arbeitete von 1986 bis 2016 in der Literatur-Redaktion des Deutschlandfunks. Buchveröffentlichungen und Herausgaben erstrecken sich über die Themengebiete Deutsche Literatur, Lyrik, Fotografie und Kulturgeschichte des Fußballs. 2015 erschien sein Roman Der Liebesidiot. 2019 der Roman Blumenspiel bei Penguin. Hajo Steinert lebt in Köln.