Konzert 4

Die so beliebten Ungarischen Tänze schrieb Johannes Brahms in den Jahren 1858 und 1869, und zwar zunächst für vierhändiges Klavier. Die Fassung für Klavier solo entstand wesentlich später. Bei den Melodien, die Brahms bearbeitete, handelt es sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht um ungarische Volkslieder bzw. Roma-Lieder, sondern um originale Melodien diverser ungarischer Komponisten. Der Erfolg der Ungarischen Tänze war phänomenal und veranlasste Brahms‘ Verleger Simrock, bei Antonín Dvořák ähnliche Tänze zu bestellen. So entstanden die Slawischen Tänze, die ein ebenso großer Erfolg wurden. Die Fassungen für Violine und Klavier stammen von dem mit Brahms befreundeten Geiger Joseph Joachim.

Obwohl sich György Ligeti damals (2003) selbst des »Konservatismus« bezichtigte und aus seiner Verehrung für das Horntrio von Brahms keinen Hehl machte – nach seiner Meinung schwebe es »als unvergleichliches Beispiel dieser Kammermusik-Gattung im Himmel«-, hat er sich im Stil kaum auf den Romantiker bezogen: »Mein Trio ist im späten 20. Jahrhundert entstanden und ist – in Konstruktion und Ausdruck – Musik unserer Zeit.«

Zeit seines Lebens bestand Brahms auf der grundsätzlichen Verwendung des Naturhorns, wie er es von seinem Vater gelernt hatte. Für sein Trio op. 40 ergibt das einen sinnlichen Duktus und Aufschluss darüber, wie Brahms selbst sein Werk hätte hören wollen: »Ist der Bläser nicht durch die gestopften Töne gezwungen, sanft zu blasen, so sind auch Klavier und Violine nicht nötig, sich nach ihm zu richten. Alle Poesie geht verloren und der Klang ist von Anfang an roh und abscheulich.« Die ersten Takte der Hornstimme sollten »deutlich zeigen, wie das ganze Stück zu behandeln ist«, so Brahms.