Alle Neune

 

 

Nach Beethovens Septett und Schuberts Oktett gehen wir in der Besetzung diesmal noch ein Schrittchen weiter und beginnen unsere Kammermusikreihe festlich mit zwei Nonetten, je eins von Louis Spohr (1813) und George Onslow (1849). Spohr kann man als den Erfinder des Nonetts bezeichnen, das das klassische Bläserquintett mit dem Streichquartett (allerdings ohne 2. Geige, dafür mit Kontrabass) verbindet. Beide Komponisten sind 1784 geboren und daher absolute Zeitgenossen. Dennoch spürt man einen Unterschied in der Tonsprache: bei Onslow ist noch ein Mozart und Beethoven verwandter Ton herauszuhören, während Spohr bereits in frühromantischen Spuren wandelt. Das macht den Vergleich der beiden Werke durchaus spannend. Beide stehen am Wendepunkt einer neuen Zeit und sind damit Zeugen für unsere neue Kammermusikreihe Turning Points.

George Onslow tat sich besonders im Bereich der Kammermusik hervor und galt in Paris als der Beethoven Frankreichs. In seinem Nonett sind alle Instrumente gleichberechtigt eingesetzt, d.h. alle sind an der Entwicklung der Themen beteiligt, was ein Grundprinzip klassischer Sonatenform seit Haydn und Beethoven ist.

Beethovens Quintett für Oboe, Fagott und drei Hörner ist eine Kuriosität unter seinen Bläserwerken: Die Besetzung ist ein Unikum. Man wird schwerlich ein Werk in gleicher Besetzung finden. Von den drei überlieferten Sätzen ist nur das Adagio maestoso vollständig. Allegro und Menuett hat Beethoven unvollendet hinterlassen. Eine Revision des offenbar in Bonn begonnenen Werkes brach er 1793 in Wien aus unbekannten Gründen ab. Daher hat es auch keine Opusnummer erhalten.

Das Nonett von Spohr gehört schon in den Bereich der Frühromantik. Die Harmonik wird zunehmend chromatischer, farbenreicher, beinahe impressionistischer. Spohr machte vornehmlich als Geigenvirtuose von sich reden, sodass auch seine Kompositionen im Mittelpunkt des Interesses der damaligen Musikfreunde standen. Heute bedürfen sie in vielen Bereichen der Wiederentdeckung. Eine solche gab es in Köln in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit einer denkwürdigen Aufführung seiner Oper Faust.

Peter Tonger