Du bist mir so unendlich lieb

 

 

Schumann über Brahms

»..........es würde und müsse nach solchem Vorgang einmal plötzlich Einer erscheinen, der den höchsten Ausdruck der Zeit in idealer Weise auszusprechen berufen wäre, einer, der uns die Meisterschaft nicht in stufenweiser Entfaltung brächte, sondern, wie Minerva, gleich vollkommen gepanzert aus dem Haupte des Kronion spränge. Und er ist gekommen, ein junges Blut an dessen Wiege Grazien und Helden Wache hielten. Er heißt Johannes Brahms.«

NZfM Neue Bahnen, 28. Oktober 1853

Brahms an Clara Schumann, Düsseldorf 5. März 1856

Liebste Clara, eben kommt ein lieber Brief von Ihnen mit einem ganz herrlichen Programm. Die werden immer schöner! Ich muß ihnen jetzt einige Zeilen schreiben, mir kommt die Zeit bis Abend lang vor. Das ist eigentlich bei mir die gesetzmäßige zum Schreiben. Ich schwelge in Mozarts Sonaten! Dann werfe ich den Kirnberger wütend zu und weg.
Ich bekomme Schönheitssinn, nicht wahr? Ja wenn man so lange mit einer schönen Frau umgeht und alles immer hübsch geschmackvoll und herzlich zugleich sieht, dann kriegt man doch etwas ab. Ich habe aber gar nicht natürliche Begabung dazu (.....).
Seien Sie tausendmal gegrüßt, meine geliebte Clara. Kommen Sie bald, ich warte sehnlich wie noch nie.

In aller Liebe Ihr
Johannes

Clara an Schumann in ihrem gemeinsamen Tagebuch, November 1842

Ich möchte ja eben gern verdienen, um Dir ein nur Deiner Kunst geweihtes Leben zu schaffen; es schmerzt mich aufs tiefste, wenn ich Dich um Geld bitten muß, und Du mir Dein Erworbenes gibst; es ist mir oft, als müßte dies alle Poesie aus Deinem Leben rauben. Du bist so ein Künstler im echten Sinne des Wortes, Dein ganzes Dichten und Trachten hat mir so etwas Zartes, Poetisches, ich möchte sagen Heiliges, dass ich Dich gern mit aller Prosa, wie sie nun doch einmal im Eheleben nicht ausbleibt, verschonen möchte. Es verwundet mich, Dich sogar oft aus Deinen schönen Träumen reißen zu müssen.

Verzeihe, mein guter Robert, meinen Herzenserguss,
Deine Liebe ist mein Leben