Verklärte Nacht

 

 

Italienische Musik, deren Duktus Hugo Wolf in seiner Italienischen Serenade nachahmte, hat er schon in seiner südsteirischen Heimat kennengelernt. Aus den Bestellungen seines Vaters bei Grazer Musikalienhändlern kann man folgern, dass die erste Literatur des kleinen Hugerl auf der Geige in Potpourries aus italienischen Belcanto-Opern bestand. Später, in seiner Wiener Studienzeit, verdrängte die Musik Richard Wagners alles andere, doch in der Italienischen Serenade bricht Wolfs alte Liebe fürs italienische Fach wieder hervor.

Felix Mendelssohn schuf mit dem f-Moll-Streichquartett das Musterbeispiel eines romantischen Bekenntniswerkes von so rückhaltlosem Ausdruck, wie man ihn nur von einem schicksalshaft schwer getroffenen Menschen erwarten möchte. Der Schicksalsschlag, der ihn ereilt hatte, war der völlig überraschende Tod seiner geliebten Schwester Fanny im Mai 1847. Als Mendelssohn das Quartett im September 1847 beendete, hatte er nur noch zwei Monate zu leben. So ist es nicht nur eine Art Requiem für Fanny, sondern auch sein eigenes geworden.

Verklärte Nacht op. 4, das Streichsextett des 25jährigen Autodidakten Arnold Schönberg, ist voll spätromantischer Expressivität. Schönberg komponierte es 1899 in der gemeinsam mit seinem Freund Alexander von Zemlinsky in Payerbach am Semmering verbrachten Sommerfrische. In ihrer Gesellschaft befand sich auch Zemlinskys jüngere Schwester Mathilde; und wie das Schicksal es wollte, wurde sie in dieser romantischen Umgebung Schönbergs Geliebte und zwei Jahre später, 1901, seine Frau. Unter dem Eindruck der jungen Liebe entstand dort das mittlerweile meist aufgeführte Werk des Komponisten.

Peter Tonger