Kegeltöne

 

 

Von den vier Blasinstrumenten im Programm von Turning Points 8 ist für Nr. 9 nur die Klarinette übrig geblieben, zu der sich nun ein Trio von Streichern gesellt, das im Quartett von Dvořák seinen Höhepunkt findet und die Brücke bildet zwischen dem 18. Jahrhundert mit Mozart und dem 20. Jahrhundert mit Sebastian Currier.

Schenkt man der Überlieferung Glauben, so komponierte Mozart das Trio Es-Dur KV 498 während einer Kegelpartie im Sommer des Jahres 1786. Daher rührt wohl der Beiname Kegelstatt-Trio. Den Klavierpart hat Mozart wahrscheinlich seiner Schülerin Franziska von Jacquin, der Schwester seines Freundes Gottfried von Jacquin, zugedacht und den Klarinettenpart seinem Freund Anton Stadler, für den er auch sein Klarinetten-Konzert und das Klarinetten-Quintett komponiert hat. Den Bratschenpart, der mit sichtlicher Vorliebe komponiert zu sein scheint, übernahm Mozart selbst.

Betrachtet man die Überschriften der einzelnen Sätze der Komposition Verge (Rand) von Sebastian Currier: fast zu schnell - fast zu langsam - fast zu mechanisch - fast zu dunkel - fast zu hell - fast zu gebrochen, könnte man auf den Gedanken kommen, der Autor sei wohl ein Witzbold. Vielleicht ist er das ja. Sein Stück Verge aber gehört keineswegs in die Kategorie Witz oder Humor. Es sind sechs Miniaturen am ‚Rand‘ der Wahrnehmbarkeit.

Nach seinem erfolgreichen ersten Klavierquartett (D-Dur op. 23 von 1875) ließ sich Dvořák fast 15 Jahre Zeit, bevor er ein zweites in Angriff nahm, obwohl ihn sein Verleger Simrock immer wieder zu einem neuen Werk dieser Gattung gedrängt hatte. Die drei Klavierquartette von Brahms, die bei Simrock erschienen waren, hatten sich als Erfolg erwiesen, und nun erhoffte sich der Verleger Ähnliches von dem einzigen Komponisten, dessen Kammermusik die Qualität eines Brahms erreichte. Erst im Sommer 1889 fand Dvořák Zeit, den Wünschen Simrocks nachzukommen, vielleicht auch, weil er sich selbst an dem hohen Standard der brahmsschen Quartette messen ließ.

Peter Tonger