Total global

 

 

Auch die Gitarre ist nicht eben ein häufig anzutreffendes Orchester- oder Kammermusikinstrument. Allerdings ist die Kombination mit Flöte eine beliebte Zweierbeziehung, in unserem Programm eine weltweit inspirierte Beziehung. Da ist zunächst der Amerikaner Terry Riley, einer der Väter der Minimal Music, der sich gerne von asiatischer oder afrikanischer Trancemusik inspirieren, in Cantos desiertos aber spanische Motive mit einfließen lässt.

Dann der Inder Ravi Shankar, der seit den 50er Jahren mit seinem indischen Zupfinstrument Sitar durch die Welt reist und damit zu hohen Ehren gekommen ist, zumal er immer wieder versucht hat, seine indische Musik mit verschiedenen Formen der westlichen Musik zu verbinden. So musizierte er zusammen mit dem Ex-Beatle George Harrison, dem Geiger Yehudi Menuhin, dem Jazzpianisten André Previn, dem Dirigenten Zubin Mehta und den Komponisten Steve Reich und Philipp Glass.

Wer mit Entr’acte von Jacques Ibert ein munteres französisches Divertissement erwartet, wird sich getäuscht sehen; denn Ibert versucht hier, sich stilistisch an indonesische - oder ist es arabische oder indische Musik? - anzulehnen.

Astor Piazzolla beschreibt seine erste Begegnung mit der legendären Kompositionslehrerin Nadia Boulanger in Paris: “Als ich sie traf, zeigte ich ihr meine Tonnen voller Sinfonien und Sonaten. Sie schaute sie durch und fällte dann ein erschütterndes Urteil: ‚Sehr gut geschrieben!‘, sprach sie und fuhr nach einer langen Pause fort: ‚Hier klingt es wie Strawinsky, dort wie Bartók, da wie Ravel. Nur Piazzolla kann ich nirgendwo finden.‘ Ich schämte mich, ihr zu erzählen, dass ich Tango-Musiker sei. Sie fragte weiter: ‚Was ist Ihr Instrument?‘ Ich scheute mich wieder ihr zu sagen, dass ich ein Bandoneon-Spieler war. Sie bat mich, ein paar Stücke zu spielen. Plötzlich öffnete sie die Augen und sagte: ‚Sie Idiot! Das ist Piazzolla!‘ Und sie lehrte mich, an Astor Piazzolla zu glauben. Ich hatte geglaubt, ich sei ein Stück Dreck, weil ich in einem Cabaret Tangos spiele, doch gerade das war ja mein Stil. Es war die Befreiung vom verschämten Tangospieler zu einem selbstbewussten Komponisten.”

Vom argentinischen Tango geht’s nun ins Nachbarland Brasilien und zu einem von griechischen Motiven inspirierten Tanz von Heitor Villa-Lobos.

Der Italiener Mario Castelnuovo-Tedesco lernte auf einem Festival in Venedig den spanischen Gitarristen Andres Segovia kennen. Es entwickelte sich eine herzliche Freundschaft, die ausschlaggebend für die vielen folgenden Kompositionen Castelnuovo-Tedescos für Gitarre war.

Peter Tonger