Con basso

 

 

Dieses Programm rückt den Kontrabass in den Vordergrund, der in der Kammermusik eher ein Schattendasein führt. Eines von wenigen Kammermusikwerken, das in derselben Besetzung geschrieben ist wie das berühmte Forellenquintett von Franz Schubert, nämlich mit zusätzlichem Kontrabass, ist das Klavierquintett op. 70 von George Onslow, Sohn eines nach Frankreich ausgewanderten englischen Adligen. Onslow verbrachte einen großen Teil seines Lebens in Paris, wo er als der französische Beethoven galt. Als Klavierquintett in Forellenquintettbesetzung schrieb er nur ein Werk, obwohl Kammermusik sein Hauptbetätigungsfeld war und er u.a. 10 Klaviertrios und gar 36 Streichquartette und 34 Streichquintette komponierte. Wo sind diese alle geblieben!? Wissenschaftler und Quartettmusiker, die sich mit Onslow beschäftigen, sind sich sicher, dass in 20 bis 30 Jahren alle Quartette und Quintette eingespielt sein werden, „weil es wirklich tolle Stücke sind, die es einfach verdient haben!“

Ein echter Kontrabassvirtuose war Giovanni Bottesini. Als Komponist hat er neben einigen Opern fast ausschließlich Werke für sein Soloinstrument geschrieben. Sein ganzes Leben lang spielte er auf einem Instrument mit nur 3 Saiten. Normal sind 4 Saiten; um eine größere Tiefe zu erreichen, gibt es auch Instrumente mit 5 Saiten. Mit diesem dreisaitigen Instrument, wie auch als Dirigent machte er eine weltweite Karriere. Besondere Wirkungsstätten waren u.a. Havanna auf Cuba, wo er Erster Kontrabassist am Theater war, Mexico, wo er beauftragt war, das Konservatorium aufzubauen, Paris, wo er anlässlich der Weltausstellung 1855 zusammen mit Hector Berlioz mit der Orchesterleitung betraut wurde, schließlich Kairo, wo er die Uraufführung von Verdis Aida leitete. Seine letzte Position war die Direktion des Konservatoriums von Parma.

Das weitaus beliebteste Kammermusikwerk mit Kontrabass ist das sogenannte Forellenquintett von Franz Schubert. Es ist einfach die reizendste, unbeschwerteste Kammermusik, die man sich denken kann. Habe ich im Programmkapitel Spätwerke von im Abendlicht erstrahlender Musik gesprochen, so ist das Forellenquintett ein Werk, das wie ein Augenaufschlag am frühen Morgen den hellen Tag begrüßt. Kein Wunder, dass ein solches lebensfrohes Werk in A-Dur steht, der Tonart, die im Quintenzirkel aller Tonarten dem Himmel am nächsten ist. In diesen Variationen über Schuberts Lied Die Forelle wird das Thema jedes Mal von einem anderen Instrument getragen und von den jeweils übrigen umspielt und dekoriert.

Peter Tonger