Leipziger Freunde

 

 

Die drei Komponisten dieses Programms hatten Anfang der 1840er Jahre einen regen freundschaftlichen Kontakt miteinander. Der dänische Komponist Niels Wilhelm Gade hatte 1841/42 seine 1. Sinfonie op. 5 komponiert und nach Leipzig zu Mendelssohn geschickt, der so begeistert war, dass er das Werk kurzfristig mit dem Gewandhaus-Orchester zur Uraufführung brachte. Als Gade 1843 ein Reisestipendium des dänischen Staates gewann, ging er folglich nach Leipzig, wo Mendelssohn ihn unter seine Fittiche nahm. Als sehr begabten Orchesterdirigenten ließ Mendelssohn ihn die halbe Saison 1843/44 das Dirigat des Gewandhaus-Orchesters übernehmen; und im darauffolgenden Jahr – nach Mendelssohns Tod - übernahm er die volle Saison.

Der Freundschaft des Ehepaars Schumann mit Felix Mendelssohn ist das Allegro brillant op.92 für Klavier zu vier Händen zu danken, das aus dem Jahre 1841 stammt und Clara Schumann gewidmet ist. Es gilt als eines der schwierigsten und herausforderndsten Stücke im gesamten Repertoire für Klavier zu vier Händen.

Schumanns g-Moll-Trio, das düsterste seiner drei Klaviertrios, entstand im Oktober 1851, als er bereits Musikdirektor in Düsseldorf war. Wenige Wochen später fand die erste Probe statt, bei der Clara Schumann den Klavierpart übernahm. Clara war von dem Werk sofort begeistert und notierte in ihr Tagebuch: „Es ist originell, durch und durch voller Leidenschaft, besonders das Scherzo, das einen bis in die wildesten Tiefen mit fortreißt.“

Bei einer weiteren musikalischen Soirée ein oder zwei Tage später spielte Clara Schumann Liszt das neue g-Moll-Trio vor, und anschließend spielten sie und Liszt Mendelssohns Allegro brillant für Klavier zu vier Händen vom Blatt. Ferdinand David, der Konzertmeister des Gewandhaus-Orchesters, war der Geiger bei der Premiere von Schumanns Klavier-Trio; und Schumann war von seinem Spiel so angetan, dass er ihm die Violinsonate in d-Moll widmete. Das Trio in g-Moll aber widmete er seinem neuen Freunde Niels W. Gade, dessen Musik sowohl Schumann als auch Mendelssohn sehr bewunderten.

Peter Tonger