Zeitlos schön - Spätwerke

 

 

Spätwerke sind häufig fernab von jugendlichem Sturm und Drang zeitlos schöne, reife Werke, die in abendlicher Sonne erstrahlen.

So bei Gabriel Fauré, der allerdings sein Leben lang ein Komponist der leiseren Töne war: Lieder, geistliche Chormusik, Klavier- und Kammermusik zählen zu seinen bevorzugten Gattungen. In seinem berühmten Requiem lässt er die Textstellen, wo andere Komponisten es mal richtig donnern lassen, wie im Dies irae oder Tuba mirum, einfach weg.

Bernd Alois Zimmermann hatte als Komponist in der Nachfolge von Strawinsky begonnen und sich nach dem Zweiten Weltkrieg immer intensiver an die musikalische Avantgarde herangearbeitet. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Oper Die Soldaten. Ungefähr zur gleichen Zeit entstanden die fünf Tanzszenen unter dem Titel Présence. Zu dieser Zeit, also kurz vor seinem Tod, war seine Entwicklung aber noch nicht abgeschlossen. Présence mag daher nicht gerade zeitlos schön sein; aber zeitlos aufregend ist diese Kammermusik allemal.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, vollzog sich die Komposition von Klaviertrios unter den Händen Beethovens vom Spielgut für dilettierende Damen zum anspruchsvollen Kammermusikwerk. Einen Höhepunkt stellt Beethovens Klaviertrio op.97, das sogenannte Erzherzog-Trio aus dem Jahre 1811 dar. Wohl deshalb gab es in dieser Gattung lange Zeit keine nennenswerte Fortsetzung, bis Franz Schubert in seinem Todesjahr 1828 im Zuge seiner großen Kammermusikwerke zwei Trios komponierte, eins – wie Beethovens Erzherzog-Trio – in B-Dur op.99 und eines in Es-Dur op.100. Letzteres war für Robert Schumann zeitlebens Schuberts „Eigenthümlichstes” Werk, ein Nonplusultra romantischer Kammermusik.

Peter Tonger