Von Herzen – Möge es wieder – zu Herzen gehen!

Wertes Publikum,

in unseren beiden letzten Spielzeiten haben wir unter den thematischen Oberbegriffen Short Stories bzw. Turning Points Werke zusammengefasst, die einem bestimmten Thema zuzuordnen waren. Auf diese thematische Zuordnung haben wir in unserer jetzigen, der achten Spielzeit, verzichtet und das Jahresthema – aus gegebenem Anlass – unter das Motto Beethoven 250 gestellt. So ist Beethoven in unseren Konzerten natürlich in besonderem Maße berücksichtigt. Und doch findet man bei näherer Betrachtung durchaus Verbindendes in den einzelnen Programmen, und zwar aus den jeweiligen instrumentalen Besetzungen. Jedes Instrument ist ja schon von seinem Klangcharakter her ein Programm. Das haben unsere Musiker bei der Programmzusammenstellung natürlich berücksichtigt.

So beginnen wir im ersten Konzert mit der Vorstellung zweier Holzblasinstrumente, der silbrigen Oboe und der weichen Klarinette, und dreier Streichinstrumente, der führenden Violine, der sich ergebenden Viola und des unterstützenden Kontrabasses. Diese Instrumente werden zunächst von Michael Haydn im Terzett, von Rebecca Clarke im Duett und von Johann Christian Bach im Quartett vorgestellt, um im abschließenden Quintett von Sergej Prokofjew funktionsgerecht zusammengeführt zu werden.

Dass Viola und Kontrabass auch anders können, als sich ins zweite Glied zu begeben, zeigt sich im zweiten Konzert, wo beide Instrumente eine Hauptrolle spielen, sowohl solistisch als auch im Duo. Diese Besetzung ist in der Kammermusik eher ungewöhnlich. Die Stücke von Young-eun Paik und Ji-sun Lim sind Auftragswerke des Hwaum Project.

Das Sonderkonzert im Oktober wird für die Kölner Besucher nach langer Zeit einmal wieder im Belgischen Haus stattfinden. Den Bezug dazu stellen zwei Werke belgischer Komponisten her: Guillaume Lekeu und César Franck. Die instrumentale Einheit ergibt sich aus der Besetzung mit einem Klavierquartett und zwei Klavierquintetten, die fast schon orchestralen Klang erzeugen.

Im dritten regulären Konzert wird erstmals die helle Flöte eingesetzt, zunächst in Beethovenschen Duo mit Klavier und darauf vom böhmischen Meister Martinů in einem Trio für Flöte, Geige und Klavier, also eigenartigerweise für zwei hohe Melodieinstrumente. Alles aber führt zum Hauptwerk hin, zu Beethovens Klaviertrio Nr. 7 für Violine, Violoncello und Klavier, also der Besetzung, die nach dem Streichquatett die häufigste Kammermusikformation darstellt.

Das Programm des vierten Konzertes bietet sich sehr einheitlich dar; es vereinigt drei Streichquintette von Mozart, Beethoven und Brahms. Quintette für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello gibt es bedeutend weniger als Streichquartette. Umso verlockender, dass hier drei der schönsten vereinigt sind.

Ein Höhepunkt unserer Konzertreihe ist das fünfte Konzert mit dem himmlischen Streichquintett von Schubert, das bewusst in der dunkleren ›Boccherini‹-Besetzung für zwei Geigen, eine Bratsche und zwei Celli geschrieben ist. Joachim Kaiser sagt über das Streichquintett von Schubert: »Mit Worten kann kein Mensch das tönende Mysterium dieses Werkes völlig enträtseln oder auf Begriffe bringen.« Das Quintett wird ergänzt durch ein Streichquartett voller Romantik von Alexander Borodin.

Einheitlich trotz ausgefallener Besetzung geht es auch in Konzert Nr. 6 zu, und zwar durch Trios für Klarinette, Violoncello und Klavier. Die Klarinette übernimmt hier die Rolle der Violine aus dem Klaviertrio. Beethovens Trio verdankt seine Entstehung der Beliebtheit der Klarinette zur damaligen Zeit. Die Trios von Manoury und Rota zollen ebenfalls der Klangfarbe der Klarinette Tribut; und das Trio von Brahms ist dem hervorragenden Klarinettisten der Meininger Hofkapelle, Richard Mühlfeld, gewidmet.

Kammermusik mit Gesang steht im siebten Konzert an, durch Vertonungen von Romanzen des russischen Dichters Alexander Blok durch Schostakowitsch und Bearbeitungen von Volksliedern von Beethoven für Gesang und Klaviertrio. Umrahmt werden die beiden Gesangswerke von einer Violinsonate von George Antheil, der sich in Paris als Bad Boy of Music einen Namen gemacht hat, und dem Klaviertrio Nr. 2 von Beethoven.

Im achten Konzert tritt das warm näselnde Fagott erstmals in Erscheinung, zunächst im Duett mit der silbrigen Oboe in Werken von André Jolivet und Ludwig van Beethoven, dann als Sonate mit Klavier von Camille Saint-Saëns, und schließlich als Trio mit Oboe und Klavier in Werken von Charles Triébert und Jean Françaix. Das Programm wird noch ergänzt durch die Sonate für Oboe und Klavier von Camille Saint-Saëns.

Allmählich nähert sich unsere Werkauswahl noch einmal der Königin der Kammermusik, dem Streichquartett. Im neunten Konzert wird das Quartett noch mit zwei romantischen Hörnern ergänzt: von Ludwig van Beethoven zu einem Sextett und von Ignaz Pleyel zu einem Septett mit Kontrabass. Mit Kontrabass vertieft auch Antonín Dvořák ein Streichquartett zu einem Quintett.

Und noch einmal wird im zehnten Konzert vor dem krönenden Abschluss mit Beethoven ein Streichquintett von Mozart eingefügt, bevor »wir nun zu demjenigen Werke gelangen, welches von allen unparteiischen Sachverständigen, die es näher kennen, ziemlich einhellig als das musikalisch reichhaltigste und bedeutendste Streichquartett der Literatur, als der stolze Gipfel der Kunstgattung erklärt wird, nämlich zu dem Großen Quatuor in cis-Moll op. 131«. (zitiert nach Theodor Otto Helm, 1910).

Herzlich

Peter Tonger
1. Vorsitzender KammerMusikKöln